Ausstellung

"Vom Wert des Menschen
- Die Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Gießen von 1911 bis 1945"

Die Dauerausstellung
ist auf Initiative einiger Mitarbeiter der Klinik entstanden. Nach intensiver Vorbereitung konnte sie am 21.03.1998 in Zusammenarbeit mit dem Referat Archiv, Gedenkstätten und historische Sammlungen des Landeswohlfartsverbandes Hessen eröffnet werden. Sie ist in den Räumen des Hauses 10 zu besichtigen.
Die Ausstellung ist in 15 Kapitel untergliedert. Jedes Kapitel umfasst eine oder zwei Texttafeln. Zur Vertiefung wurde zu jedem Kapitel mindestens ein Ordner mit Aktenvorgängen, Dokumenten und Fotos erstellt. Anhand der Ordner können Besucher selbst etwas "entdecken" bzw. vertiefen. Sie sind geeignet, um mit Gruppen einzelne Themen zu bearbeiten. Außerdem sind einige Fundstücke in Vitrinen zu sehen.

Hintergrund:
Foto: Ausschnitt des Mahnmals für die Opfer der Psychiatrie im Nationalsozialismus. Zwei Bronzetafeln mit Text sind an einer Steinplatte befestigt. Das Mahnmal steht vor einem Grashügel im Park der Klinik. Die Heil- und Pflegeanstalt Gießen wurde 1911 am Rande der Stadt gegründet. Während des 1. Weltkrieges war in einigen Gebäuden ein Reservelazarett für sog. Kriegszitterer eingerichtet worden. In der Weimarer Republik war die Anstalt geprägt von Reformversuchen und einer zunehmend schlechteren finanziellen Lage. Durch den Nationalsozialsmus veränderten sich auch hier für die untergebrachten Patientinnen und Patienten die Lebensbedingungen. Im Rahmen des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses", das Anfang 1934 in Kraft trat, wurden auch Patientinnen und Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Gießen sterilisiert. Im Rahmen der "T4-Aktion" ( Deckname der Mordaktion an Kranken und Behinderten) wurden von Januar bis März 1941 zweihundertfünfundsechzig Patientinnen und Patienten aus der Heil- und Pflegeanstalt Gießen abgeholt und in Hadamar ermordet. In der Heil- und Pflegeanstalt Gießen war, wie in vielen Anstalten, die Sterberate in den Jahren 1941 bis 1945 sehr hoch. Gründe waren vermutlich die niedrigen Pflegesätze und eine mangelhafte Versorgung der Kranken. Im Jahre 1940 war die Einrichtung Zwischenanstalt für jüdische Patientinnen und Patienten, die von Gießen aus in eine Tötungsanstalt deportiert wurden. Außerdem wurde in drei Häusern der Heil- und Pflegeanstalt eine neurologisch-psychiatrische Beobachtungsstation für Mitglieder der Waffen-SS eingerichtet. Im letzten Kapitel der Austellung wird kurz auf die Psychiatriereform der 70er und 80er Jahre eingegangen.

Kontaktaufnahmen
per E-mail: Andrea.Weiland@vitos-giessen-marburg.de
oder telefonisch unter Tel: 0641 - 403 - 0
Ansprechpartner: Herwig Groß, Tel: 0641 - 403 - 423.




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